Kunstspeicher

17 04 2009

…das Wochenende steht bevor und auf meinen Plan steht UNORTNUNG – Drei Tage Ausstellungen, Performances und Musik – vernachlässigte urbane Areale werden temporär bespielt – die Kunst ruft!

picture-1 Foto: bauwelt

Ganz und gar nicht vernachlässigt wird die Kunst im Burgenland – das österreichische Künstlerpaar Karl und Uta Prantl realisierten gemeinsam mit dem Architekten Carsten Roth einen Kunstspeicher, der nicht nur das bisherige Ensemble des 2006 verstorbenen Ernst Hiesmayrs respektvoll begegnet, sondern die örtlichen Gegebenheiten einfließen lässt und aus statischer Sicht wagemutig „präsentiert“ wird…

Eine einfache, funktionale und schnelle Lösung war der erste Grundgedanke der Bauherren. Ein Raum mit geringen Temperaturschwankungen, möglichst wenig Sonne und gleichmäßigem Licht musste zum Schutz der Kunst geschaffen werden.

Die Grundstücksfläche wurde durch einen Ankauf vergrößert und das Ensemble Hiesmayrs somit nach außen hin unvollendet. Im vorderen Eingangsbereich des Ensembles situiert, soll das neue Gebäude auf das gesamte Areal vorbereiten und miteinfließen.

Teil der Intervention ist die Errichtung einer massiven Mauer, die das Gelände von der Straße und dem Nachbargrundstück abschirmt. Tritt man durch das Eingangstor, wird
man von einem schlichten weißen Kubus empfangen, der den in der Luft schwebenden Teil des Speichers zunächst verbirgt.

17 Meter kragt das Obergeschoss des schmalen Gebäudes in Richtung Felder aus, begleitet von einer Bodenplatte als Gegenüber. Beide, Decke und Bodenplatte, sind leicht konkav gekrümmt. Die Auskragung ruht auf einer 7 Meter langen Auflage. Aus statischer Sicht sorgt nicht nur das enorme stützenlose Obergeschoss, sondern auch oder vor allem die zehn Zentimeter breite durchgehende Fuge zwischen den beiden Bauteilen sicherlich für Verwirrung.

Die Treppe führt durch den Sockel hinauf ins Depot. Karl Prantl wünschte sich in Anlehnung an die berühmten komfortablen Treppen von Otto Wagner bei den Wiener Stadtbahnstationen ein flaches Steigungsverhältnis und absichtlich ausgetretene Betonstufen.

Je tiefer man in den Speicher vordringt, desto heller wird es. Eine Lichtlaterne, die durch ein transluzentes Glas diffus gestreut wird, dringt das Licht großzügig in den eigentlichen Speicherraum, den man in einer 180-Grad-Drehung betritt. Am Ende des 2,64 Meter hohen Raumes dringt wiederum durch einen Oberlichtschlitz in der Decke helles Licht.

Das architektonische Wirken Hiesmayrs hat mich bisher immer sehr beeindruckt und bin mir sicher, dass diese Projekt aufgrund der Materialreduktion und Funktionalität seinen Vorstellungen entsprochen hätte…


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