…um gleich beim Thema Gebäudehülle zu bleiben, setze ich mit einer weiteren „ungewöhnlichen“ Fassade fort:

Foto: Titus Bernhard Architekten
Das Haus 9×9 von Titus Bernhard Architekten wurde zwar bereits 2003 fertiggestellt, allerdings stellt es nach wie vor ein revolutionäres Bauvorhaben dar, dass sich dank der architektonischen Anerkennung in der Branche einigen Widerstände von Seiten der örtlichen Baubehörde und der Nachbarschaft durchsetzen konnte.
Circa 40.000 Steine in Drahtkörben gefüllt umhüllen das zweigeschossige Haus und verleihen dem Gebäude ein archaisches Erscheinungsbild. Der minimalistische Kubus wurde als bewohnbare Skulptur mit assymmetrischen Pyramidendach konzipiert, dessen Hauswände nahtlos über die Traufkanten hinweg auf das Dach verlaufen und somit das Dach als fünfte Fassade in Erscheinung tritt.
Auch hier forderte die technische Ausführung eine eigenständige und neuartige Detailplanung. Die erste Gabionenfassade wurde einem gedämmten und abgedichteten Rohbau vorgehängt. Die Gebäudehülle, die unter den Körben als wasserführende Schicht ausgeführt ist, erfüllt auch wichtige ökologische Funktionen, indem die 28 Tonnen schwere Speichermasse den Wärmedurchgang regulieren: im Sommer wie im Winter zeigt sich ein behagliches Klima und minimaler Heizbedarf.
Dem bisher einzig bekannten und in gewisser Weise vergleichbaren und als Inspiration dienende Weingut Dominus in Nappa Valley von Herzog & deMeuron, ist das Haus 9×9 aufgrund der nicht selbsttragenden Konstruktion und des Übergangs in die Dachschrägen überlegen. (Außerdem tummeln sich in Augsburg sicherlich weniger Schlangen, die sich in der Fassade einnisten
)

Foto: Titus Bernhard Architekten
Im Kontrast zur „steinigen“ Außenhaut steht ein helles Innenraumkonzept auf dem quadratischen Grundriss von 9×9 Metern. Wohnraum, Küche und Essbereich in einer offenen Raumfolge sind im Erdgeschoss angesiedelt, während Arbeitsgalerie, Schlaf- und Ankleideraum sowie Bad im Obergeschoss untergebracht sind. Zusätzlich findet sich noch eine Lesegalerie, die anhand der bündig anschließenden Dachflächenfenster die Bewohner mit genügend Tageslicht versorgt und über eine steile Sambatreppe erreichbar ist. Die Galerien verleihen dem 120 Quadratmeter großen Haus einen großzügigen und luftigen Raumeindruck.
Die Bauherren und das Planerteam verstehen dieses Stück Architektur „als Statement gegen banale örtliche Gestaltungssatzungen, die nicht dazu beitragen können, Baukultur zu fördern.“
Mehr davon, bitte!
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