Sunlighthouse – Österreichs ModelHome 2020

20 11 2009

Während Dänemark vom 7. bis 18. Dezember 2009 im Zentrum des weltweiten Klimaschutzes stehen wird, startet Velux Österreich den Bau des CO2-neutralen Einfamilienhauses in Pressbaum.


Foto: VELUX

Dass das Haus eine absolute Vorbildrolle übernehmen wird, habe ich ja bereits im Mai angekündigt, dass der Spatenstich allerdings fast zeitgleich mit der Klima-Konferenz in Kopenhagen und mit der Bekanntgabe der Ergebnisse des Kyoto-Protokolls zusammenfällt – konnte ich nicht voraussehen – auf jeden Fall ein geglückter Moment, um Bewusstsein zu schaffen und ein zukunftsträchtiges Zeichen zu setzen.

Die tragende Konstruktion des Hauses wird in Holzriegelbauweise errichtet und mit Zellulose-Dämmung vollständig ausgefacht. Damit erreicht die Wandstärke 55 Zentimeter. Keller und Fundament werden mit Slagstar Ökobeton gebaut, einem Sekundärrohstoff, der ohne den energie- und CO2-intensiven Brennvorgang hergestellt wird, betont das zuständige Architekturteam Hein-Troy.


Foto: VELUX

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Donau-Uni Krems (Department Bauen und Umwelt) und vom Österreichischen Institut für Baubiologie und -ökologie (IBO). Sämtliche Berechnungen hinsichtlich Energiebilanz und CO2-Kompensation stammen von diesen beiden Institutionen. Deren Zahlen zeigen, wie die ausgeglichene CO2-Bilanz geschafft werden soll.

Mit einem Heizwärmebedarf von 26,7 kWh/m²/Jahr erreicht das Haus nicht Passivhaus-Standard, wird aber dennoch eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung aufweisen. Solarkollektoren sorgen für den überwiegenden Energiebedarf für das Warmwasser, Strom wird von insgesamt 46 Quadratmetern an Photovoltaik-Paneelen erzeugt. Das Haus wird mehr Energie produzieren, als benötigt und ist ein weiteres Projekt von Velux, das somit in die Aktiv-Haus-Serie fällt.

Die Fertigstellung des Hauses ist mit Frühsommer 2010 geplant. Die Baukosten betragen rund 300.000 Euro. Das Haus in Pressbaum soll zunächst ein Jahr lang als Demonstrationsobjekt geführt werden, bevor es verkauft werden soll.





Wohnhaus St. Johann

12 11 2009

Kostengünstig und energetisch hocheffizient sollte das Haus für eine fünfköpfige Familie im deutschen St. Johann sein. Gegeben waren ein Grundstück in Hanglage und eine ländlich geprägten Satteldachlandschaft in der näheren Umgebung.


Foto: arcguide

Gössel + Kluge Architekten nahmen die Herausforderung an – und realisierten einen Baukörper mit Split-Level zur optimalen Nutzung des Geländes für ebenerdige Austritte in den Garten und sorgten anfangs mit dem ungewöhnlichen Neubau für Furore.

Die großdimensionierten Glasflächen orientieren sich konsequent am Sonnenlauf, unterstützt durch die Grundform des Hauses, die neben einer natürlichen Tiefenbelichtung des Gebäudeinneren auch solare Wärmegewinne in den Wintermonaten ermöglichen. So wird die im Sommer thermisch belastete Südseite durch eine weit auskragende Decke, die im Dachgeschoss einen Teil der dortigen Terrasse und Kindergalerie bildet, geschützt. Auf der Westseite übernehmen diese Aufgabe steuerbare Screen-Behänge.

Vorwiegend geschlossene Wandflächen mit kleinen Öffnungen und eine skulptural gefaltete Dachhaut, die dank einer transparenten Fuge bei nächtlicher Beleuchtung über dem Hauptbaukörper zu schweben scheint, schirmen die anderen Seiten dagegen zur Umgebungsbebauung ab und gewährleisten die Privatheit.


Foto: gk

Der offene Küchen- und Essbereich mit vorgelagerter Terrasse sowie Neben- und Technikräume befinden sich auf der untersten Ebene. Über eine zentral positionierte Treppe gelangen die Bewohner ins mittlere Geschoss, das auch von außen, über den Hauptzugang an der Nordostecke – unterhalb des auskragenden Daches – erreichbar ist. Diese Ebene nimmt sowohl das Elternschlafzimmer als auch den westorientierten Wohnbereich samt einer weiteren Terrasse unterhalb des Dachvorsprungs auf.

Die oberste Ebene des Hauses bietet Platz für die Kinder mit eigenem Bad und einem großzügigem Balkon vor der schrägen Glasfassade zum Tal. Dank der mehrfach gefalteten Dachschale sind auch die Räumlichkeiten dieses Geschosses trotz der geneigten Flächen vollwertig möblierbar und es besteht ausreichend Kopffreiheit. Um den Nutzern in Bezug auf spätere Umbauten ein Höchstmaß an Flexibilität zu garantieren und die Effizienz des Bauwerks zusätzlich zu steigern, konzipierten Gössel + Kluge auch die Außenhaut als modulares System.

Die Hülle besteht im Bereich der geschlossenen Flächen aus einer zweischaligen, hinterlüfteten Konstruktion, die über gute klimatische und isolierende Eigenschaften verfügt und als nahezu wartungsfrei gilt.





Unibrücke

5 11 2009

Der Inn-Salzach-Stil, auch Inn-Salzach-Bauweise genannt, bezeichnet einen typischen Baustil von Altstädten in der Region von Inn und Salzach. Dabei bilden mehrere Häuser durch Scheinfassaden vor dem eigentlichen Dach ein geschlossenes Ensemble. (Quelle: Wikipedia)

unibruecke
Foto: manzlritschsandner.com

Dieser Typus steht räumlich und inhaltlich Pate für einen vorrangig für studentische Nutzer konzipierten Wohnbau mit Büroflächen bzw. einer Gastronomie von Gerhard Manzl, Johann Ritsch und Manfred Sandner. Die Ambivalenz von Außen und Innen erinnert stark an Grundhaltungen des Stils.

Ein auffälliger Monolith, der mich zunächst eine Zollverein-Essen-Zweigstelle dahinter vermuten ließ, landete an der Universitätsbrücke mit einer markant abgeschnittenen Ecke und rhythmisch versetzten Fensteröffnungen. Im beabsichtigten Bruch mit der aus den 1960er und 1980er Jahren stammenden Bebauung wurde deshalb ein Baukörper entwickelt, der nach allen Seiten differenziert auf den Straßenraum reagiert.

Im städtebaulichen Kontext wurde der Baukörper nicht in die umgebende orthogonale Stadtstruktur einfügt, sondern reagierten mit einem nach außen hin homogenen, beruhigten Baukörper. Im großstädtischen Kontext allerdings steht das Objekt zu den „satellitenhaft positionierten Aussenstellen der Innsbrucker Altstadt“, wie beispielsweise dem Turnus-Vereinshaus oder dem Zeughaus.


Foto: manzlritschsandner.com

Der markante haushohe Eingangsschlitz führt in den „Gassenplatz“-artigen Innenraum, der an die Hofsituation der Altstadt anlehnt und sich als andersartige „Innenwelt“ präsentiert. Dem Licht folgende geknickte, gegeneinander verschobene, schrägen Wandscheiben bilden die nach oben offene, überdachte „Gassenhalle“ bzw. „Hallengasse“ und verstärken anhand der vertikalen Eichenlamellenverkleidung den Kontrast zum glatten weißen Feinputz des Äußeren.

 

Der südliche Bereich des Grundstückes und die angrenzenden Grünflächen wurden so ineinander gefügt, dass sich daraus eine durchgehende Landschaft ergibt.





Eine Fassade tanzt…

28 10 2009

…dem Sonnenschutz zuliebe ;-)

Das zweigeschossiges Ausstellungsgebäude von Giselbrecht und Partner steht ganz im Zeichen der „innovativen Verarbeitung von Metall“, um den Anforderungen des Bauherrn, einem Produzenten von Edelstahleinrichtungen gerecht zu werden. Mehr Raum für die Präsentation der umfangreichen Produktpalette und vor allem deutlich mehr Spielraum für eine flexible Gestaltung der Ausstellung, waren zwei der wichtigsten Kriterien.


Foto: IAA

Ein freigeformter Showroom bildet das Zentrum des Neubau. Das zweigeschossige Foyer wird über einen schmalen Metallsteg erschlossen. Wenige Stützen im Inneren erlauben einen freien Grundriss, sodass die Präsentationsmöglichkeiten nicht eingeschränkt werden.

112 Paneele mit einem Gesamtgewicht von zehn Tonnen bilden die außergewöhnlichen Schattenspender, die sich leicht wie Papier verformen lassen und das das Bild des Gebäudes prägen, das nahezu unendlich viele Gestalten annehmen kann.

Eine völlig neuartige Konstruktion, die aus tragenden und beweglichen Elementen besteht. Tragend sind die an der polygonalen Glasfassade befestigten Edelstahl-Schwerter, auf die senkrechte Edelstahl-Führungsschienen montiert wurden. Die Paneele sind beweglich und können eine Fassadengestaltung von absoluter Geschlossenheit bis zu totaler Transparenz bewirken. Hierbei handelt es sich um perforierte, pulverbeschichtete Leichtmetall-Kassetten. Bei geschlossener Fassade dringt das Licht durch die perforierten Paneele diffus in den Raum.

Insgesamt 56 Motoren und ein BUS/SPS-Steuerungssystem bewegen die Elemente in allen drei Dimensionen stufenlos und sorgen für die unglaubliche Verwandlungsfähigkeit der Fassade. Einige besonders attraktive Positionen sind natürlich fix programmiert und können in eigenen Bewegungs-Sequenzen gleichsam wie ein Film aufgeführt werden.

Die Menge an natürlichem Licht ist für die Produktpräsentation ausreichend. Als Sonnenschutz fungieren die Elemente so gut, dass im Inneren ein angenehmes Klima herrscht und keine zusätzliche Kühlungsenergie benötigt wird. Zum Öffnen werden die Leichtmetall-Kassetten im Sturzbereich nach oben und im Parapetbereich nach unten völlig lautlos gefaltet. In Schrägstellung bilden sie schattenspendende Vordächer. Im völlig geöffneten Zustand kann das Sonnenlicht ungehindert einstrahlen. Diese Position ermöglicht den Besuchern auch einen freien Panoramablick auf die umgebende Landschaft.

Das Gebäude wurde neben dem Austrian Architecture Award 2008 und dem Award des Chicago Athenaeum 2008 auch mit dem diesjährigen ZT.Award, dem Preis für innovative, zukunftsorientierte und partnerschaftliche Planungsprojekte aller Fachbereiche der ZiviltechnikerInnen ausgezeichnet.





House Bierings

8 10 2009

Alles andere als gewöhnlich ;-)

…ein klassisches Satteldach-Haus wird zur begehbaren Skulptur mit gerahmten Ausblicken…

Skizze: Rocha Tombal

Die örtliche Baubehörde in Utrecht sah für die Bebauung des Grundstückes ein klassisches Satteldach-Haus vor. Diese Ausgangssituation nahmen die Architekten zum Anlass, die Form als „Andock“-Station für die skulpturalen Lichtschächte zu nutzen.


Foto: architecturalgrammar

Das vom Amsterdamer Architekt Rocha Tombal geplante House Bierings schafft aufgrund der Form und Orientierung starken Bezug zum Außenraum ohne direkten Blickkontakt zu den Nachbarhäusern. Die Holzfassade bildet aufgrund vertikalen Lattung einen starken Kontrast zur prägenden Form.

Von der Empfangshalle aus führt der Weg durch eine große Schwingtür in das „Herz des Hauses“, die Küche. Dort steht man vor einer raumhohen verglasten Wand, die den Blick in die Landschaft freigibt und den Bewohnern einen starken Bezug zur Natur vermittelt. Die einheitliche Gestaltung in Weiß ist mitunter ein gelungenes Mittel, um das Außen verstärkt wahrzunehmen. Auch im Erdgeschoss ermöglichen die unterschiedlich geformten Öffnungen in Dach und Fassade spannende Lichtverhältnisse.

Die Wand gegenüber integriert den Küchenblock und weitere Stauräume. Auffallend ist das Bücherregal, eines der wenigen Elemente, das in den Raum ragt, während die restlichen Stauflächen von den Wänden aufgenommen werden. Die weiße Treppe durchdringt diese Wand und akzentuiert dezent die Trennung der Raumfunktionen.

Das Obergeschoss ist geprägt von variierenden Raumhöhen. Auch hier ergeben sich durch die unterschiedlich orientierten und geformten Lichtschächte Lichtstimmungen und Ausblicke, die den musealen Charakter der Innenräume verstärken.





Sunken House

3 09 2009

David Adjayes Sunken House steht bereits seit langem auf meiner To-See-List für den nächsten London-Besuch, gleich danach folgt seine Club-Bar The Social – mit der er 1999 die Architekturwelt auf sich aufmerksam machte…


Foto: residentiality.wordpress.com

Sein Sunken House im Londoner East End ist eine schwarze Box umgeben von gregorianischen Ziegelbauten. Das Haus eines befreundeten Fotografen hebt sich vor allem durch die verwendeten Materialien – Holz und Glas – und die einfache Form ab. Außerdem wurde auch das Licht- und Schattenspiel als wichtiges Entwurfsthema hervorgehoben.

150 Quadratmeter Nutzfläche auf drei Geschossen bilden das Sunken House.
Im Untergeschoss befinden sich Küche, Esszimmer und Studienzimmer – auf gleicher Ebene mit dem abgesenkten Innenhof, der einen privaten Außenwohnraum bildet. Die Eingangsebene liegt auf Straßenniveau und ist mit einer innen- und einer außenliegenden Holztreppe an die übrigen Räume angebunden. Das Obergeschoss wird von Fensteröffnungen beherrscht, die Licht bis tief in den Raum fallen lassen. Weiße Wände und ein weiß beschichteter Kunstharzboden bieten dafür die ideale Projektionsfläche.

Von außen betrachtet wirkt der einheitliche Baukörper wie aus einem Stück Holz gefertigt. Treppen, Brüstungen, Lüftungsöffnungen und Türen sind camouflageartig in die schwarz gestrichene Holzoberfläche integriert. Durch die einheitliche Materialisierung der Freiräume lässt Architekt Adjaye das Haus in sich selbst versinken. Sogar die Dachfläche ist mit einer Hülle aus schwarzen Holzlatten verkleidet und fungiert als Aussichtsplattform.

Hinter der vorgehängten Holzfassade versteckt sich die tragende Konstruktion aus Massivholzelementen. Fensteröffnungen erscheinen in einer Ebene mit der Fassade und dem Dach und unterstreichen das homogene Bild des Baukörpers. Das Glas wurde in einen Stahlrahmen geklebt und bündig bis an die Außenfassade geführt.

Aufgrund der gewählten Tragkonstruktion aus Massivholzelementen musste keine Rücksicht auf Spannweiten, Balken oder Stützen genommen werden. So konnten alle Öffnungen frei positioniert werden und folgen höheren Kriterien wie Ausblick und Himmelsrichtung. Es entstand für jede individuelle Situation die dazu passende Öffnung. Ein fix verglastes Panoramafenster beispielsweise führt den Blick nach Westen, auf die benachbarten Gärten. Der Arbeitsraum des Bauherren wird anhand einer Überkopfverglasung belichtet. Für Schattenspiele sorgen Bambusgewächse hinter der transluzente Verglasung im Schlafzimmer.

David Adjaye sorgte mit seinem Sunken House nicht nur für neue Perspektiven, sondern fügt es dank einfacher Materialien gelungen in das Umfeld.





Passivhaus Gerasdorf

28 08 2009

Ein klarer kompakter Baukörper, die Breitseite nach Süden ausgerichtet, die Fenster vom Sonnenstand bestimmt – so präsentiert sich das in Massivbauweise errichtete Passivhaus in Gerasdorf bei Wien von Thomas Abendroth.


Foto: Abendroth Architekt

Der Anbau in Holzbauweise schützt das Grundstück gegen Einsicht von der Straße. Carport und Eingangszone finden darin Platz, obenauf befindet sich ein Sonnendeck. Betreten wir das Passivhaus über einen leichten Holzzubau, der als blickschützender Rahmen den Grund im Osten abschließt. Umsichtig wickeln sich die hochgezogenen Latten um die Terrasse am Flachdach. Ein Wanddurchbruch am Eck führt in den massiv gemauerten Passivhaus Quader. An der speichermassenstarken Rückwand im Norden verlaufen alle Bewegungsströme des Hauses. Im Erdgeschoß ist die ganze Ebene Wohnraum.

Die Planer hielten sich an die strikten Vorgaben des Passivhaus Institutes in Darmstadt, nach denen es zertifiziert wurde. Beispielsweise wurden auf Fenster bei der Nordfassade verzichtet und die energiegewinnenden Öffnungen auf der Süd- und Westseite ausgerichtet.

Die Fassade ist bis unter die Bodenplatte im Keller mit einem dicken Mantel aus Wärmedämmung überzogen, die thermische Hülle ist nachgewiesenermaßen dampfdicht hergestellt. Den Wärmebrücken wurde mit thermischen Trennungen aus Purenit, Sylomer und Vacuumdämmung der Kampf angesagt.

Die Lüftungsanlage wird mit vom Erdreich vorgewärmter Zuluft gespeist, welche das Haus temperiert und auch für Warmwasser sorgt. Für einen Kamin gab es keinen Bedarf. Doch nicht nur im Winter hat dieses Haus seine unbestrittenen Vorteile: Während der Hitzeperioden im Sommer mit Spitzentemperaturen von fast 40°C war es im Hausinneren angenehm kühl mit 24°C. Der Sonnenschutz bestehend aus Raffstoren wurde von den Bauherren konsequent eingesetzt.

Insgesamt stelt das Projekt einen sehr kompakten zweigeschoßigen Wohnbaukörper in Passivhausbauweise dar. Das Passivhaus Gerasdorf entspricht außerdem einem klima:aktiv Passivhaus mit 905 von 1000 Punkten, da es energetisch und ökologisch optimiert wurde.





Eawag Forum Chriesbach

21 08 2009

Nach dem Grundsatz lieber Energie einsparen als aufwändig erzeugen macht ein innovatives Konzept das Gebäude der Eawag und Empa zum Nullenergiehaus und damit zu einem Vorbild realisierter Nachhaltigkeit… lautet der klare Ansatz der Bob Gysin + Partner BGP Architekten beim Hauptgebäude der Eawag, ein Verwaltungs- und Forschungsgebäude, das einen wichtigen Maßstab in der nachhaltigen Entwicklung setzt.


Foto: Bob Gysin + Partner BGP Architekten

Um ein Bürohaus ohne herkömmliche Heizung zu bauen, wurden Orientierung, Volumetrie, Gebäudehülle, Speichermasse und Sonnenschutz optimiert. So kann der Heizwärmebedarf durch die ohnehin im Gebäude anfallende Wärme Personen, Computer, Beleuchtung und durch die Nutzung von Erdwärme und Sonnenenergie gedeckt werden.

Der farbiger Sichtbetonvorbau markiert als Kontrapunkt zu den einprägsamen Glaslamellen der Fassade den Haupteingang und verbindet den Neubau mit den bestehenden, nördlich gelegenen Gebäuden der Eawag. Die siebbedruckten Glaslamellen werden automatisch nach dem Sonnenlicht ausgerichtet und regulieren damit die Intensität der Sonneneinstrahlung ohne den Ausblick der Benutzer zu behindern. Das Tageslicht wird zusätzlich zum Betrieb einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach genutzt, welche einen Drittel des Strombedarfs des Gebäudes abdeckt. Sonnenkollektoren liefern Warmwasser und der Einbau einer Heizung war aufgrund der Nutzung von Erdwärme in Kombination mit der Sonnenenergie gar nicht erst nötig.

Die Räume der unterschiedlichen Nutzungszonen liegen U-förmig um das fünfgeschossige Atrium, in dem Sitzungsboxen schwebend angeordnet sind. Flexibel nutzbare Räume ermöglichen Arbeitsformen mit frei vernetzbaren Arbeitsplätzen. Basis der innenräumlichen Freiheit ist die Stahlbeton- Skelettbauweise mit aussteifenden Erschließungskernen und tragenden Fassadenstützen. Zusammen mit der vorfabrizierten Fassadenhülle wurde so die Bauzeit kurz gehalten und die Nutzungsflexibilität maximiert. Alle haustechnischen Anlagen sind offen geführt, so dass die Installationen jederzeit zugänglich sind. Das vereinfacht den Betrieb, vergünstigt den Unterhalt und ermöglicht bei einem späteren Rückbau eine einfache Materialtrennung.

Das Gebäude wurde mit dem Schweizer Solarpreis 2006, dem Swisspor Innovationspreis 2006, dem Velux Tageslicht Award 2007 und dem Watt d’Or 2007 ausgezeichnet.





Haus 9×9

20 08 2009

…um gleich beim Thema Gebäudehülle zu bleiben, setze ich mit einer weiteren „ungewöhnlichen“ Fassade fort:


Foto: Titus Bernhard Architekten

Das Haus 9×9 von Titus Bernhard Architekten wurde zwar bereits 2003 fertiggestellt, allerdings stellt es nach wie vor ein revolutionäres Bauvorhaben dar, dass sich dank der architektonischen Anerkennung in der Branche einigen Widerstände von Seiten der örtlichen Baubehörde und der Nachbarschaft durchsetzen konnte.

Circa 40.000 Steine in Drahtkörben gefüllt umhüllen das zweigeschossige Haus und verleihen dem Gebäude ein archaisches Erscheinungsbild. Der minimalistische Kubus wurde als bewohnbare Skulptur mit assymmetrischen Pyramidendach konzipiert, dessen Hauswände nahtlos über die Traufkanten hinweg auf das Dach verlaufen und somit das Dach als fünfte Fassade in Erscheinung tritt.

Auch hier forderte die technische Ausführung eine eigenständige und neuartige Detailplanung. Die erste Gabionenfassade wurde einem gedämmten und abgedichteten Rohbau vorgehängt. Die Gebäudehülle, die unter den Körben als wasserführende Schicht ausgeführt ist, erfüllt auch wichtige ökologische Funktionen, indem die 28 Tonnen schwere Speichermasse den Wärmedurchgang regulieren: im Sommer wie im Winter zeigt sich ein behagliches Klima und minimaler Heizbedarf.

Dem bisher einzig bekannten und in gewisser Weise vergleichbaren und als Inspiration dienende Weingut Dominus in Nappa Valley von Herzog & deMeuron, ist das Haus 9×9 aufgrund der nicht selbsttragenden Konstruktion und des Übergangs in die Dachschrägen überlegen. (Außerdem tummeln sich in Augsburg sicherlich weniger Schlangen, die sich in der Fassade einnisten ;-) )


Foto: Titus Bernhard Architekten

Im Kontrast zur „steinigen“ Außenhaut steht ein helles Innenraumkonzept auf dem quadratischen Grundriss von 9×9 Metern. Wohnraum, Küche und Essbereich in einer offenen Raumfolge sind im Erdgeschoss angesiedelt, während Arbeitsgalerie, Schlaf- und Ankleideraum sowie Bad im Obergeschoss untergebracht sind. Zusätzlich findet sich noch eine Lesegalerie, die anhand der bündig anschließenden Dachflächenfenster die Bewohner mit genügend Tageslicht versorgt und über eine steile Sambatreppe erreichbar ist. Die Galerien verleihen dem 120 Quadratmeter großen Haus einen großzügigen und luftigen Raumeindruck.

Die Bauherren und das Planerteam verstehen dieses Stück Architektur „als Statement gegen banale örtliche Gestaltungssatzungen, die nicht dazu beitragen können, Baukultur zu fördern.“

Mehr davon, bitte!





Case Study House 8

17 08 2009

Ein interessantes Objekt für das kommende Woche stattfindende Gebäudehülle-Seminar würde meiner Meinung nach das Case Study House 8 von Hoyer Schindele Hirschmüller Architekten bieten, das derzeit in Berlin ein neues Experimentierfeld für Innen- und Außenräume aufzeigt und die Gebäudehülle teils sogar aufzulösen scheint…

Baulücken bieten den HSH Architekten seit jeher ein breites Arbeitsspektrum: beim Case Study House 5 in Berlin Prenzlauer Berg beispielsweise „parkten“ die drei Architekten in einem vier Meter breiten Luftraum eine Lückenbebauung, die im Rahmen des Projekts zunächst gar nicht als Baugrundstück vorgesehen war:

Das Eckgrundstück in der Gormannstraße in Berlin-Mitte, dessen Bebauung im Laufe der Zeit bereits einige Male verworfen wurde, ist von zwei je zwanzig Meter hohen Brandwänden begrenzt. Daher wurden bei den ersten Entwurfsideen, die rein horizontal gegliederte Geschosse vorsahen, auch keine Interessenten für die dunklen unteren Etagen gefunden.


Foto: HSH architects

Der Entwurf der HSH Architekten sah daher ein Stadthaus vor, in dem nicht horizontal sondern vertikal gewohnt wird. Dadurch entstand eine Eckbebauung, in der sich drei individuelle Stadthäuser jeweils über vier Ebenen, vom eigenen Zugang direkt von der Straße bis zum über zwei Etagen reichenden Dachraum mit Terrasse und einer Wohnfläche von 180 bis 224 Quadratmeter erstrecken. Um Licht in die Häuser zu bringen, wurden zudem zwei 15 Quadratmeter große, verglaste Innenhöfe in die Baukörper eingefügt und den Bewohnern steht dadurch ein privater Innenhof zur Verfügung.

Im städtischen Maßstab werden die Häuser jedoch als ein Baukörper zusammengefasst und von einer Aluminiumhaut umschlossen. Die innere Gebäudestruktur lässt sich klar in der Außenfassade abzeichnen.

In den Wohnungen werden damit differenzierte Raumqualitäten erzielt, vom zweigeschossigen Dachraum mit offenem Grundriss und Terrasse bis zu den Rückzugsbereichen in den unteren Etagen. Hier sind abtrennbare Arbeits- und Gästebereiche denkbar. Die zu den Wohnungen gehörenden Innentreppen schaffen vertikale Raumbezüge und minimieren zugleich die öffentliche Erschließung auf einen gemeinsamen Aufzug.

Lufträume, Patios in den beiden seitlichen sowie eine Loggia im mittleren Stadthaus verknüpfen als kommunikative Elemente die verschiedenen Ebenen und spielen mit dem Verhältnis zwischen Innen und Außen. Durch die Patios entstehen sehr private, offene Innenräume mitten in der Stadt.

Diese offene Struktur und Transparenz nach Vorbildern aus London und Amsterdam fand in Berlin großen Zuspruch und verleiht dem Wort Baulücke ein neues Qualitätssiegel.