Unibrücke

5 11 2009

Der Inn-Salzach-Stil, auch Inn-Salzach-Bauweise genannt, bezeichnet einen typischen Baustil von Altstädten in der Region von Inn und Salzach. Dabei bilden mehrere Häuser durch Scheinfassaden vor dem eigentlichen Dach ein geschlossenes Ensemble. (Quelle: Wikipedia)

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Foto: manzlritschsandner.com

Dieser Typus steht räumlich und inhaltlich Pate für einen vorrangig für studentische Nutzer konzipierten Wohnbau mit Büroflächen bzw. einer Gastronomie von Gerhard Manzl, Johann Ritsch und Manfred Sandner. Die Ambivalenz von Außen und Innen erinnert stark an Grundhaltungen des Stils.

Ein auffälliger Monolith, der mich zunächst eine Zollverein-Essen-Zweigstelle dahinter vermuten ließ, landete an der Universitätsbrücke mit einer markant abgeschnittenen Ecke und rhythmisch versetzten Fensteröffnungen. Im beabsichtigten Bruch mit der aus den 1960er und 1980er Jahren stammenden Bebauung wurde deshalb ein Baukörper entwickelt, der nach allen Seiten differenziert auf den Straßenraum reagiert.

Im städtebaulichen Kontext wurde der Baukörper nicht in die umgebende orthogonale Stadtstruktur einfügt, sondern reagierten mit einem nach außen hin homogenen, beruhigten Baukörper. Im großstädtischen Kontext allerdings steht das Objekt zu den „satellitenhaft positionierten Aussenstellen der Innsbrucker Altstadt“, wie beispielsweise dem Turnus-Vereinshaus oder dem Zeughaus.


Foto: manzlritschsandner.com

Der markante haushohe Eingangsschlitz führt in den „Gassenplatz“-artigen Innenraum, der an die Hofsituation der Altstadt anlehnt und sich als andersartige „Innenwelt“ präsentiert. Dem Licht folgende geknickte, gegeneinander verschobene, schrägen Wandscheiben bilden die nach oben offene, überdachte „Gassenhalle“ bzw. „Hallengasse“ und verstärken anhand der vertikalen Eichenlamellenverkleidung den Kontrast zum glatten weißen Feinputz des Äußeren.

 

Der südliche Bereich des Grundstückes und die angrenzenden Grünflächen wurden so ineinander gefügt, dass sich daraus eine durchgehende Landschaft ergibt.





Lodenareal Innsbruck

17 09 2009

Nachdem sich bereits im Januar dieses Jahres ein koreanisches Fernsehteam aufmachte, um das größte Passivhaus-Projekt Europas zu filmen und als Thema eines Dokumentarfilms ins koreanische Fernsehen zu bringen – ist es auch für mich als Architektur- und Baublog aller höchste Zeit darüber zu berichten! Mit über 354 Wohnungen erschließt die Wohnhausanlage Lodenareal schließlich eine neue Größendimension von Passivhäusern:

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Foto: Monsberger Gartenarchitektur

Auf dem 33.000 Quadratmeter großen Areal der ehemaligen Tiroler Lodenfabrik in der Reichenau, an den Ufern der Sill und Inn gelegen, planten die Teams von Architekturwerkstatt din a4, Architekturhalle Wulz-König und teamk2 drei Gebäudekomplexe aus je zwei L-förmigen Baukörpern. Das Ausmaß der Bebauung lässt in Innsbruck einen neuen Stadtteil mit hoher Wohnqualität und großzügigem Erholungsraum entstehen.

Die zwei gegeneinander gestellte L-förmige Gebäuderiegel umschließen einen sich daraus ergebenden Innenhof und schützen den halb öffentlichen Bereich sowohl des Hofes als auch den privaten Vorbereich jeder Wohneinheit. Die Einheiten haben breite Loggien bzw. Terrassen mit vorgelagerten Gärten, die durch eine Hecke vom Hof getrennt werden.


Foto: NEUE HEIMAT TIROL

Der Wohnbau besteht aus Massivbauweise, mit einer hochwertig luftdichten Gebäudehülle und einer innovativen Passivhaustechnik. Das Projekt wird durch das Passivhausinstitut Darmstadt zertifiziert. Mit einem Energieverbrauch von 15 kwh je Nutzquadratmeter und Jahr nach dem Passivhausprojektierungspaket (PHPP) berechnet, der Nutzung von Grundwasserwärme, eine Pelletsanlage und einer Solaranlage, leistet das Projekt einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und spart so jährlich ca. 680 Tonnen CO2 ein.

Die meisten Wohnungen sind in zwei Richtungen orientiert und werden dadurch mit viel Sonne versorgt und versprechen hohen Wohnkomfort. Identitätsstiftend ist auch die Gestaltung der Höfe. Die Pflanzen werden so ausgewählt, dass jeder Hof in einer anderen Farbe erblüht.

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Foto: din a4

Zusätzlich entsteht eine ca. 8200 Quadratmeter große Grünanlage der Stadt Innsbruck mit Kinderspielplätzen und einem Ballspielplatz. Am Nordwesteck des Areals wird ein Bootshaus gebaut. Die Sill-Einmündung in den Inn wird von Osten nach Westen umgeleitet. Dabei wird auch eine Fischtreppe und eine rund zwei Meter hohe Kanuwelle errichtet. Mit einer neuen Brücke über die Sill wird die Fuß- und Radwegverbindung erweitert.

Zum Inn hin soll das Gelände nach dem Wunsch der Architekten sanft abfallen und in einem breiten Kiesbett auslaufen. Damit möchten die Architekten in der Uferzone eine urbane Struktur schaffen.

Mit dieser hohen Zielsetzung aller Projektbeteiligten haben diese es allerdings nicht nur ins koreanische Fernsehen geschafft, sondern haben bereits die ersten Auszeichnungen verliehen bekommen. Der erste Anerkennungspreis Österreichs für Erneuerbare Energie „SolarPlexus 2009“ und der Energy Globe des Landes Tirols wurden dem Bauträger Neue Heimat Tirol überreicht. …und sicherlich kommen noch einige Auszeichnungen hinzu!





Case Study House 8

17 08 2009

Ein interessantes Objekt für das kommende Woche stattfindende Gebäudehülle-Seminar würde meiner Meinung nach das Case Study House 8 von Hoyer Schindele Hirschmüller Architekten bieten, das derzeit in Berlin ein neues Experimentierfeld für Innen- und Außenräume aufzeigt und die Gebäudehülle teils sogar aufzulösen scheint…

Baulücken bieten den HSH Architekten seit jeher ein breites Arbeitsspektrum: beim Case Study House 5 in Berlin Prenzlauer Berg beispielsweise „parkten“ die drei Architekten in einem vier Meter breiten Luftraum eine Lückenbebauung, die im Rahmen des Projekts zunächst gar nicht als Baugrundstück vorgesehen war:

Das Eckgrundstück in der Gormannstraße in Berlin-Mitte, dessen Bebauung im Laufe der Zeit bereits einige Male verworfen wurde, ist von zwei je zwanzig Meter hohen Brandwänden begrenzt. Daher wurden bei den ersten Entwurfsideen, die rein horizontal gegliederte Geschosse vorsahen, auch keine Interessenten für die dunklen unteren Etagen gefunden.


Foto: HSH architects

Der Entwurf der HSH Architekten sah daher ein Stadthaus vor, in dem nicht horizontal sondern vertikal gewohnt wird. Dadurch entstand eine Eckbebauung, in der sich drei individuelle Stadthäuser jeweils über vier Ebenen, vom eigenen Zugang direkt von der Straße bis zum über zwei Etagen reichenden Dachraum mit Terrasse und einer Wohnfläche von 180 bis 224 Quadratmeter erstrecken. Um Licht in die Häuser zu bringen, wurden zudem zwei 15 Quadratmeter große, verglaste Innenhöfe in die Baukörper eingefügt und den Bewohnern steht dadurch ein privater Innenhof zur Verfügung.

Im städtischen Maßstab werden die Häuser jedoch als ein Baukörper zusammengefasst und von einer Aluminiumhaut umschlossen. Die innere Gebäudestruktur lässt sich klar in der Außenfassade abzeichnen.

In den Wohnungen werden damit differenzierte Raumqualitäten erzielt, vom zweigeschossigen Dachraum mit offenem Grundriss und Terrasse bis zu den Rückzugsbereichen in den unteren Etagen. Hier sind abtrennbare Arbeits- und Gästebereiche denkbar. Die zu den Wohnungen gehörenden Innentreppen schaffen vertikale Raumbezüge und minimieren zugleich die öffentliche Erschließung auf einen gemeinsamen Aufzug.

Lufträume, Patios in den beiden seitlichen sowie eine Loggia im mittleren Stadthaus verknüpfen als kommunikative Elemente die verschiedenen Ebenen und spielen mit dem Verhältnis zwischen Innen und Außen. Durch die Patios entstehen sehr private, offene Innenräume mitten in der Stadt.

Diese offene Struktur und Transparenz nach Vorbildern aus London und Amsterdam fand in Berlin großen Zuspruch und verleiht dem Wort Baulücke ein neues Qualitätssiegel.





Hoch hinaus mit t-hoch-n und CZIEP Architekten

16 07 2009

Während man eigentlich kopfüber ins Wasser springt, schau ich mir in der quasi „leergefegten“ Stadt an, was über unser aller Köpfe gebaut wird:

Kaum zu sehen, aber auch kaum zu übersehen ist der Dachausbau der t-hoch-n Architekten in der Josefinengasse – gerne hätte ich mir aus der Perspektive des gegenüberliegenden Wohnhauses einen besseren Blick verschafft, allerdings blieb die Tür für mich versperrt… :-(

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Auf der Seite der Architekten ist nachzulesen, dass der Dachboden des ca. 135 Jahre alten Hauses zum Großteil in seiner Außenhülle belassen werden musste.

Im Innenhofbereich hingegen klappte man Teile der Dächer auf und schuf Platz für Terrassen. Zum Straßenraum hin erkennt man aus der Froschperspektive im Ansatz die Entwurfsidee: die beiden rechtwinkelig zueinander stehenden Pultdächer des Eckhauses entziehen sich der gewohnten Form dadurch, dass das Dach in der Josefinengasse bis zur Hauskante verlängert wurde und die darunterliegende, großzügige Eckterrasse schützt.

Die beiden Dächer weisen zahlreiche Einschnitte auf: Dachflächenfenster versorgen den gesamten Wohnraum mit ausreichend Tageslicht. Die unterschiedlich großen, zweigeschossigen Wohnungen mit offenen Treppen und Galerien nützen den ganzen Dachraum und ergeben dadurch spannende Blickbeziehungen.

Eine weitere Entdeckung machte ich - quasi ums Eck – in der Adambergergasse:

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Ein Jahrhundertwendehaus, das mit großräumigen Dachgeschoßmaisonetten und Dachterrasse aufwartet – geplant von CZIEP Architekten ZT GmbH:

Die nach Süden orientierten Dachschrägen werden durch abgerundete Balkone unterbrochen und verleihen dem Haus eine neue Dachlandschaft. Zwischen den Balkonen sorgen große, uneinsehbare Doppel-Dachflächenfenster für helles Wohnklima.

In den hofseitig gelegenen Wohnungen gelangt man direkt vom Wohnraum auf die erste Terrasse, die in den warmen Monaten als Wohnzimmervergrößerung dienen kann.

Die gemeinschaftliche Dachterrasse verschafft als höchster Punkt einen weitreichenden Blick – über die Köpfe der Passanten hinweg – zum Stephansdom…

Und noch ein wichtiges Detail in Hitzezeiten, wie diesen: Energiesparende Luftwärmepumpen versorgen die Deckenkühlung, die in allen Räumen angenehmes Raumklima ermöglicht…





Haus L.

7 06 2009

Das Wohnhaus in Reihenhausbauweise geplant von den MMZ Architekten, das 2005 fertiggestellt wurde und je Haushälfte eine zweigeschossige Wohnung und eine Maisonettewohnung unterbringt, nimmt die Umrisse der Nachbargebäude in vereinfachter Form auf, da das Bauvorhaben von Anfang an mit rigoros einschränkenden Vorgaben zu kämpfen hatte.


Foto: mmz.architekten

Außenputz und Dacheindeckung haben den gleichen Farbton und ergibt dadurch eine hellrote, homogen wirkende Hülle. Klare Trennungen von Dach zur Fassade, zum Beispiel durch außenliegenden Dachrinnen an der Traufe sind hier bewusst vermieden worden.

Das Dach mit einer Dachneigung von 45° integriert lange Fensterlichtbänder und sorgt mit den speziell eingefärbten Faserzementplatten, die stumpf gestoßen verlegt wurden für eine hellrote, homogen wirkende Hülle. Ermöglicht wurde dieses Vorgehen durch ein wasserdichtes Unterdach, dessen Aufbau dem eines Flachdachs ähnelt. Damit die Fensterbänder und die Eindeckung die gleiche Höhe an der Oberfläche erhalten, wurde die Eindeckung doppellagig auf eine Aluminium-Unterkonstruktion geklebt.

Auf Dachüberstände an den Giebelseiten oder an der Traufe wurde aus konzeptionellen Gründen verzichtet. Die Dachrinne ist als halbrunde Dachrinne ausgebildet. Sie liegt versteckt hinter bzw. unter einer Bekleidung aus optisch plan verlegten Kupferstreifen, die aber Niederschlagswasser einleiten und sicher abführen. Die in den Dachflächen eingebauten Dachflächenfenster von Velux haben kupferne Abdeckungen. Dadurch bilden sie eine optische Einheit mit den Kupferstreifen. Für attraktive Lichteffekte sorgen auch die acht schmalen Horizontalfenster.

Das großzügig geplante Raumvolumen in diesem 13,50 Meter hohen Gebäude und das Tageslichtkonzept haben diesen monolithisch wirkenden Block perfekt geformt…





Golden Nugget

30 05 2009

Dass Innocad es geschafft hat, die Baulücke in der Grazbachgasse in Graz mit zeitgemäßer Architektur im historischen Kontext grenzgenial zu lösen, hat mich immer schon fasziniert…als ich vor kurzem am Lendplatz das alte Schuhhaus in völlig neuem Glanz erblickte, staunte ich ebenfalls nicht schlecht, bin aber ein wenig enttäuscht – weder die Homepage der jungen Architekten, noch andere Quellen haben bisher die schwarze Rose am Lend ausreichend dokumentiert, aber sobald es News gibt, werde ich auf alle Fälle auf diese Herren zurückkommen ;-)

Die „“Innocads“ sind längst – vor allem in Graz – ein Begriff. Das Büro, dessen Logo aus sieben goldenen Quadraten besteht, die sich zu immer neuen Formen zusammenfügen, hat mit dem bereits 2005 fertiggestellten Wohn- und Bürohaus Golden Nugget eine dreidimensionale Visitenkarte geschaffen.


Foto: baunetz

Die trapezförmige Baulücke in der historischen Altstadt wurde mit einem fünfstöckigen Sichtbetonbau mit Mansardendach geschlossen, dessen Dach und Fassaden mit goldfarbenem Blech mit einer Rautenstruktur bekleidet und mit raumhohen, unregelmäßig angeordneten Fenstern gegliedert sind.

Wichtige Achsen wie Traufkanten und starke Gesimse der Nebengebäude übertrugen sie in die Fassade ihres Gebäudes und auch Gold findet sich in der Farbpalette der angrenzenden Gründerzeitbauten wieder und verbindet die verschiedenen Baustile zu einem Ensemble.

Das Erdgeschoss sowie das einstöckige, schmale, historische Hofhaus mit Satteldach werden als Büro genutzt. Zur Straße hin öffnet sich die Fassade fast über die gesamte Länge und definiert die Bürofläche als einen Arbeitsbereich, der Einblicke von außen gewährt und Offenheit nach außen kommuniziert.

Über der Büroetage liegen drei Etagen mit je zwei Appartements und eine Maisonettewohnung mit Dachterrasse, erschlossen durch eine rückseitige Außentreppe. Die offenen Grundrisse sind mit Schiebetüren oder Vorhängen abteilbar.

Innen sind alle Oberflächen weiß, weiße Netze dienen als Geländer. Wände, Decken und Stützen aus Sichtbeton und goldene Wand-, Decken-, Tür- und Möbelflächen, ergänzt durch Weiß und Schwarz, prägen die Büro- und Wohnräume des Neubaus.

Aus Sicht des VELUX Architekturwettbewerbs, den sie bereits 2006 für sich entschieden haben,  ist vor allem der alte Trakt im Innenhof des Gebäudekomplexes – der Rückzugs- und Besprechungsort des Teams – interessant. Bei diesem Hofhaus aus dem 18. Jahrhundert wurden VELUX Dachflächenfenster in der Revitalisierung eingesetzt und schufen dadurch großzügige, lichtdurchflutete weiße Räume und ein ideales Arbeitsumfeld.

Fotos: baunetz

In Graz lässt’s sich bekanntlich mit der Altstadtkommission nicht scherzen, umso erfreulicher ist es, dass das Projekt von der Stadt Graz beim Kongress des internationalen Städteforums als hervorragendes Beispiel für neue Architektur im historischen Stadtbereich präsentiert wurde…





Wohnen IM Hochbunker

27 04 2009

Bunker Nr. II – das Thema hat mich seit der letzten „parasitären“ Besiedelung auf dem Bunker in Hamm weiterhin beschäftigt und bin auf folgendes Projekt gestoßen:


Foto: competitionline

Luczak Architekten verwandelten in Köln einen Hochbunker in ein licht- und luftdruchspültes Wohnhaus. In zentraler Stadtlage wurden 17 Wohnungen, großen Terrassen, flexiblen Grundrisse, interne Lichthöfe und Ruheoasen geschaffen.

Ein fensterloser Betonquader, 45 m lang, 15 m breit und 7,5 m hoch, der im Zweiten Weltkrieg als Schutzraum für Arbeiter und deren Familien diente, bildete die Basis für die Wohnungen. Tiefe Laibungen und die Dicke der weiß verputzten Bunkerdecke blieben erhalten, an manchen Stellen sind noch die Schnittkanten des Betons sichtbar und machen die Geschichte weiterhin spürbar.


Foto: luczak architekten

Das Gebäude wurde um rund 5.000 Tonnen Beton verschlankt, Wände und Decken wurden aufgeschnitten und mit einem eleganten steinernen Sockel und großzügigen Fenstereinschnitten in sechs zweigeschossige Stadthäuser umgewandelt. Raumhohe Fensterfronten, Oberlichter und Atrien lassen Licht bis tief ins Innere der 12 bis 15 m tiefen Wohneinheiten dringen. Eine zweigeschossige, überkopfverglaste Halle verbindet beide Geschosse. Aufs flache Dach kam in den Einschnittbereich jeweils eine Schrägverglasung mit Sonnenschutz.

Ein viergeschossiger Querflügel legt sich der Straße entlang über den Bunkerkopf und schließt die in den Block geschlagene Lücke. Das Dach hat die Form einer zweigeschossigen, geöffneten Tonne.

Jede der Bunker-Lofts hat einen kleinen Garten und einen Zugang zur Tiefgarage. Die Wohnungen im Querflügel erhielten große Balkone oder Dachterrassen. Sie bieten damit eine Alternative zum Einfamilienhaus und zur Enge vieler Geschosswohnungen. Selbst der ehemalige Flakturm des Bunkers dient heute als blickgeschützter Dachgarten – für eine 165 m2 große Penthouse-Wohnung, die als Holzbox auf dem Bunker abgesetzt wurde.

Auch für die Innenausstattung waren Luczak Architekten verantwortlich. Die zum Teil unverputzten Bunkerwände bilden einen spannenden Kontrast zu Parkettböden, Steinzeugfliesen, zu Küchen und Bädern, die mit Nussbaum, Eiche, Wenge oder Ebenholz versehen sind.

Ein massiver Eingriff im Vergleich zur Penthouse-Wohnung von archivolver, aber auch hier bewundere ich den Mut der Bauherren und den Umgang mit der alten Bausubstanz, obwohl dieser Bunker nicht unter Denkmalschutz stand…





Dachaufbau Kastnergasse

23 04 2009

Skulptur, Wohnoase und Garten Eden auf den Dächern Wiens? Architekt Peter Liaunig hat seinen Traum verwirklicht und kann nicht nur damit bei mir punkten, sondern auch mit seiner überraschend simplen Internetpräsenz – eine „Ruhe-Oase“ für das Auge?


Foto: Peter Liaunig

Auf dem Dach eines Wiener Fuhrwerkshauses aus der Zeit der Jahrhundertwende sollte umgebaut und aufgestockt werden. Der überbaute Hof sollte zugleich rückgebaut und ein dahinterliegendes Hofgebäude komplett saniert und mit einem Gründach ausgestattet werden. Aus den ersten Skizzen entwickelte sich nach und nach die Idee eines zum Flug anhebenden Vogels, dessen Schwingen die neue Dachhaut bilden…

Die Trennung zwischend der alten Substanz und dem neuen Eingriff ist strassenseitig deutlich durch ein horizontales Fensterband gezogen. Der Dachaufbau ist zum öffentlichen Bereich hin eher verschlossen und ruhig, hofseitig jedoch wird die Dachgeschoßebene komplett geöffnet.

Im Erdgeschoß des Bestands befindet sich die Modellbauwerkstatt, darüber ein großzügiger Wohnraum. Der gesamte Aufbau aus Stahl und Glas mit zwei schräg gekanteten Betonscheiben machte aus statischen Gründen eine neuen Verbunddecke nötig. Von hier aus geht es hoch ins Obergeschoß. Schwungvoll führt die Treppe aus Stahl und Glas auf die Galerie. Direkt vor dem Wohnzimmer liegt eine kleine Terrasse. Ein Steg führt von dort aus hin zum begrünten Dach des Innenhofgebäudes, das in den vier Meter hohen Räumlichkeiten das Büro des Architekten beherbergt.

„Sanierung und Dachausbau eines solchen Hauses sind eine dreidimensionale Werbung. Da kann man zeigen, wozu man imstande ist“, meint Liaunig.

Zu hoffen bleibt, dass noch weitere Vögel auf den Dächern Wiens starten oder landen und von mir entdeckt werden…





Penthouse von archivolver

20 04 2009

In Hamm/D stehen elf Luftschutzbunker. Auf einem findet sich in 14 Meter Höhe ein Penthouse…das ist nicht der Anfang eines schlechten Architekturmärchens, sondern ein realer Wohnbau an einem ungewöhnlichen Ort von den Archivolver-Helden.


Foto: baunetzwissen

Helden? Ein kurzer Blick auf die Homepage des experimentierfreudigen Büros genügt, um zu wissen, dass es sich hierbei quasi um Armstrong oder Buzz der Architektenszene handelt ;-)

Heldenhaft auch ihr Projekt: Der Bunker als zeitgeschichtliches Dokument wurde nach allen Regeln respektiert, denn der neue Baukörper erweckt den Eindruck als schwebe er darüber. Die entstandene Fuge dient der technischen Erschließung und wird in der Nacht durch ein Lichtband verstärkt.

Das Tragwerk des Penthouses basiert auf einem System aus Stahlträgern, das die bis zu fünf Meter starken Auskragungen auffängt und auf die tragenden Wände des Bunkers verteilt. Teile des Neubaus wurden in Holzbauweise vorfabriziert.

Die Erschließung über eine massive Betontreppe bot bereits das Vorgefundene. Sie setzt im obersten Teilbereich neu an und durchstößt von unten den Wohnraum. Ein großes Oberlicht sorgt für die natürliche und großzügige Belichtung der innenliegenden Treppe.

Im Inneren des Bunkers befindet sich die Haustechnik und für das Erdgeschoss ist eine Galerie geplant, in der Tageslicht nicht unbedingt nötig ist.

Das Flachdach des Hochbunkers wird zum hochwertigen Außenbereich der Penthousewohnung: die aufgeständerte Dachterrasse mit Bankirai-Belag, ein in die Stahlkonstruktion eingelassener Gartenteich und ein Dachgarten auf knapp 14 Meter Höhe zeigen, dass auch im städtischen Umfeld der Traum vom Einfamilienhaus im Grünen möglich ist – mit Aussicht auf die Dächer der Stadt.

Was wenig überrascht, ist, dass es dafür eine Auszeichnung gab. Allerdings kann man folgender Jurybegründung der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen „Die Arbeit ist zwar keine beispielgebende, aber eine exotische und als solche ein gelungener Beitrag zum Wettbewerb“ wohl nichts mehr hinzufügen :-)





Wohnbau Hafengasse

10 04 2009

…während meine Freunde sich Tag für Tag der prallen Sonne widmen – nütze ich die unglaublich schönen Tage fürs Flanieren  – der „Winter-Putz“ ist Vergangenheit und Wien lässt wieder mehr Farbe erkennen ;-)

Diesmal „verirrte“ ich mich in den dritten Bezirk und landete in der Hafengasse – einem geschichtsträchtigen Ort – vor dem neuen Wohnbau der junger_beer Architekten


Foto: junger_beer | architektur

Die gewellte ockergoldene Aluminium-Fassade steht als Interpretation der für Wien historisch typischen Farbgebung und die vertikalen Wellen sollen an den künstlichen Wasserkanal von vor ca. 200 Jahren erinnern. Auch die Fenster nehmen Bezug zur Tradition, in dem sie den Maßstab von Altbauten übernehmen.

Die Gestaltung der Sockelzone bezieht neben einem einladend teiltransparenten Eingangsbereich auch den daran anschließenden Garagenteil harmonierend in das Gesamtbild mit der Fassade mit ein.

Einen starken Material- und Farbkontrast
erlebt man beim Betreten des Hauses: Man ist umgeben von leuchtend kontrastierenden Farben – kräftiges Rot und Orange in verschiedenen Abstufungen und strahlend weiße Flächen bestimmen das Innenleben.

Über einen großzügigen Foyerbereich, der auch als Treffpunkt seiner Bewohner genutzt werden kann, gelangt man zum rückwärtigen lichtdurchfluteten Erschließungsbereich.

Der Großteil der Wohnungen partizipiert sowohl an der südöstlichen, städtischen Straßenseite, als auch am nordwestlichen, ruhigen Hofbereich. Diese Durchgängigkeit bietet den Vorteil, die unterschiedlichen Tageslichtstimmungen wahrzunehmen.

Den Hauptanteil bestreiten eingeschossige Wohnungen, die allesamt auf die ruhige Hofseite hin mit Außenräumen – Loggien oder Balkone – ins Freie verlängert werden. Die Maisonetten punkten im unteren Geschossbereich mit großzügigem Luftraum Richtung Terrasse inklusive Rasenanteil, während die Maisonetten ganz oben Freiraumflächen auf jeder der zwei Wohnebenen bieten. Die Verbindung dieser Ebenen mittels großer Wendeltreppe, die vom Ess/Kochbereich zentral in die weiträumige Wohnlandschaft mit Giebelcharakter hinaufführt, gibt diesen Einheiten ihr besonderes Merkmal.

Licht, Farbe und Wellen haben mich anschließend auch in das Schwimmbad gelockt – leider noch unter Dach :-(